Pump Summit 2016, 29. Und 30. November 2016, Düsseldorf
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Pump Summit

Der Problemlöser für alle Fälle

05. August 2016


Der Problemlöser für alle Fälle

Ohne Chemieindustrie keine florierende Wirtschaft. Als Problemlöser für alle Fälle ermöglicht sie mit immer neuen Chemikalien anderen Industrien, eine Vielfalt an Produkten zu entwickeln. Die Chemieindustrie ist also stets in Bewegung. Wollen Pumpenhersteller als Zulieferer der Branche schritthalten, müssen sie das Ohr dicht am Chemiemarkt haben und ihre Pumpen an seine Anforderungen anpassen.

Die Chemieindustrie reagiert empfindlicher auf wirtschaftliche Änderungen als manch andere Branche. Konjunkturelle Schwankungen trafen sie infolge der Finanzkrise zum Jahrzehntwechsel besonders stark. Auch zeitweilige Wachstumsschwächen in China und anderen Schwellenländern schaden der Branche spürbarer. Umstände, auf die Pumpenhersteller zu achten haben.

Hoher Exportanstieg bis 2030
Aufzuhalten ist die Chemieindustrie aber nicht. Ein Beispiel aus der EU: „Die deutsche Chemie kann in den nächsten 15 Jahren von der steigenden weltweiten Nachfrage nach Chemikalien – besonders aus Asien und Lateinamerika – profitieren“, prognostiziert der VCI (Verband der chemischen Industrie) in seinem Branchenporträt 2015. Bei steigenden Exporten bis 2030 könne die deutsche Chemieproduktion um insgesamt 40 Prozent zulegen, berichtet das Forschungsinstitut Prognos in Zusammenarbeit mit dem VCI in der Studie „Die deutsche chemische Industrie 2030“.

Gut für die Chemieindustrie – und gut für die Pumpenbranche. Allerdings muss sie hohe Anforderungen erfüllen. Und das gilt für den Herstellungsprozess von Chemikalien und für den Sekundärprozess. Im Sekundärprozess werden Pumpen und Systeme „zur Wassergewinnung ebenso wie zur Abwasserentsorgung sowie für Kreisläufe zur Beheizung (Temperieren), Kühlung (Eis- und Kühlwasserentsorgung) und Reinigung benötigt“, erläutert der Pumpenhersteller Grundfos. In Reinigungskreisläufen per CIP – einem Verfahren, bei dem die Anlage ohne wesentliche Demontage auf den produktberührten Flächen gereinigt wird – seien beständige Edelstahlpumpen oder Norm- und Blockpumpen erforderlich, falls alkalische und saure Reiniger nacheinander gefördert würden.

Pumpen für teure und hochgiftige Fluide
Chemiepumpen, die im Prozess selber zum Einsatz gelangen, fördern heiße, kalte, aggressive, flüchtige, explosive, giftige und verunreinigte Flüssigkeiten – am Ende des Prozesses steht das Zwischen- oder Endprodukt. „Aus diesem Grunde sind die flüssigkeitsberührten Teile aus korrosionsbeständigen, metallischen und nichtmetallischen Werkstoffen hergestellt oder haben beständige Überzüge aus Gummi, Kunststoff oder Emaille“, erklärt die KSB AG. Dabei muss die Pumpe sich einstellen können auf Veränderungen bei den Medien. Um beispielsweise bei einem eventuellen Stillstand ein Blockieren durch Medien, die beim Abkühlen viskos oder fest werden, zu verhindern, lasse sich das Pumpengehäuse optional beheizen. So ermöglichen verschiedene Motorgrößen, den Antrieb auf den jeweiligen Bedarf abzustimmen. „In der chemischen Industrie liegt bei kritischen Verfahren ein besonderes Augenmerk auf sicheren und zuverlässigen Systemen und Chemiepumpen“, betont Lewa. Oftmals seien Fluide im Prozess nicht nur extrem teuer, sondern auch hochgiftig und umweltschädlich.

Vermeidung von Emissionen
Eine wichtige Aufgabe von Dosierpumpen ist das Regulieren und Fördern von Volumenströmen und Gegendrücken, die Filtration, das Mischen und die Zugabe von Fluiden und Additiven sowie der Transfer. Entscheidend bei der Anwendung sind die hermetische Dichtheit zur Vermeidung von Emissionen und Fluid-Kontaminationen, die hohe Dosiergenauigkeit sowie eine robuste und wartungsarme Konstruktion. Besitzt eine Pumpe eine hohe Dichtigkeit und gibt es keine Verbindung wie eine Welle zum Produktraum, werde das kontaminations- und verunreinigungsfreie Dosieren bzw. Fördern über einen langen Prozess-Zeitraum sichergestellt. Sicherheitsmechanismen schützen vor Schäden, so Lewa, selbst wenn es zu Bedienfehlern komme oder extreme Betriebszustände vorherrschten. Ganz unterschiedlich könne die Bauweise der Chemiepumpen sein – ein- oder zweistufig, in horizontaler oder vertikaler Bauart. Ein Pumpenbetrieb sei mit oder ohne Welldichtung möglich.

Um auf spezifische Eigenschaften von chemischen Fluiden reagieren zu können, steht ein breites Spektrum von Pumpensorten bereit. Denn es sind Risiken wie Explosionsgefahr, chemischer Widerstand, Leckagerisiko und Trockenläufe zu bedenken. Abgedeckt werden die Bedürfnisse etwa durch Zentrifugalpumpen, Dosierpumpen, Exzenterschneckenpumpen, Membranpumpen, Schraubenspindelpumpen, Schlauchverdrängerpumpen, Zahnradpumpen und Fasspumpen, um nur wenige Beispiele zu nennen. Auch kommt es für die Chemieindustrie auf die passende Werkstoffwahl an, wie zum Beispiel Bronze, Hastelloy, Edelstahl oder Kunststoffe.
Deutlich ersichtlich ist also: Die Anforderungen der Chemiebranche an Pumpen sind hoch. Sie bieten nicht nur, aber vor allem Herstellern aus Industrieländern die Chance, sich mit ihrer Hightech-Anlage auf fremden Märkten zu positionieren. Längst investieren daher Unternehmen einiger europäischer Länder in Niederlassungen in Staaten aus dem asiatischen Raum, in den USA und in Afrika.

Standorte vor Ort im Trend
Deutsche Unternehmen erschließen den Auslandsmarkt also nicht nur über Exporte, sondern auch über Produktionsstätten und Beteiligungen. Vor allem Regionen außerhalb Europas gewinnen dabei „aufgrund der steigenden Nachfrage nach Chemikalien durch die zunehmende Industrialisierung und den wachsenden Wohlstand an Attraktivität“, erläutert der Verband VCI. „Zusätzlich machen die Entfernung und der vergleichsweise hohe Transportaufwand vieler Chemikalien die Erschließungen außereuropäischer Märkte durch Standorte vor Ort interessant.“ Die Dynamik der Investitionen der deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen im Ausland fielen auch deshalb wesentlich stärker aus als im Inland, so der VCI.

Die Folge: 2015 stiegen die Auslandsinvestitionen von 7,7 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 8,6 Milliarden Euro. Ein Grund ist laut VCI die bessere Markterschließung durch eine Vor-Ort-Niederlassung in Asien, Lateinamerika und Afrika. In einigen europäischen Ländern und bei den USA spiele „zunehmend auch die Kostenersparnis eine Rolle“. Allein in den USA verfügen deutsche Chemieunternehmen über rund 130 Tochterunternehmen, die zuletzt über 50 Milliarden Euro erwirtschafteten. „Ein Drittel aller mittelständischen Firmen investiert im Ausland“, berichtet Reinhold von Eben-Worlee, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Selbständiger Unternehmer.

Chemie spielt Schlüsselrolle
So investierte etwa BASF 90 Millionen Euro in den mittlerweile in Betrieb genommenen Ausbau am China-Hauptsitz in Pudong/Schanghai. „Die neuen Einrichtungen ermöglichen es, regionale Wachstumsindustrien wie Automobil, Bau, Gesundheit und Ernährung sowie Haushalts- und Körperpflege besser zu bedienen“, sagt Sanjeev Gandhi, Vorstandsmitglied der BASF SE und verantwortlich für die Region Asien-Pazifik. Innovationen aus der Chemie spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung und der schnell fortschreitenden Urbanisierung in der Region Asien-Pazifik zu erfüllen. Außerdem stärkt der Chemiekonzern seine Position in Navi Mumbai, Indien – ab 2017 mit einem neuen Innovation Campus, in den etwa 50 Millionen Euro fließen.

Ein weiteres Beispiel für verstärkte Investitionen in Asien ist die Errichtung einer World-Scale-Anlage zur Produktion von Isononanol in Maoming, China, durch BASF und China Petroleum & Chemical Corporation (Sinopec). Die neue Anlage kann jährlich bis zu 180.000 Tonnen produzieren und die steigende Nachfrage nach Weichmachern der nächsten Generation erfüllen. So sei es möglich, „näher an unseren regionalen Kunden zu sein und besser auf die Anforderungen und Entwicklungen der lokalen Märkte einzugehen“, erklärt Dr. Albert Heuser, President Greater China & Functions Asia Pacific, BASF.

Pumpenhersteller investieren weltweit
Auch die USA sind – mit Blick auf Energiekosten und zahlreiche Abnehmer – als Investitionsstandort interessant: BASF investiert in Kooperation mit Yara – einem norwegischen Hersteller und Anbieter von Chemikalien und Industriegasen wie Dünger, Harnstoff, Nitraten und Ammoniak – insgesamt 600 Millionen US-Dollar in eine neue Ammoniakanlage in Freeport/Texas.

Investitionen, von denen auch die Pumpenhersteller profitieren.
Für BASF sind die Investitionen ein Muss: „Um im globalen Markt erfolgreich zu sein, ist es wichtig, eine starke Präsenz in den Schlüsselregionen zu haben.“

Den Sprung auf andere Kontinente haben daher auch zahlreiche Pumpenhersteller längst vollzogen. Lewa, Allweiler, Grundvos und Wilo – um nur wenige Beispiele zu nennen – verfügen über ein weltweites Netz an Vertretungen, Kooperationen und Niederlassungen von Tochterunternehmen. Der Ausbau ist noch längst nicht abgeschlossen – und wird es vermutlich nie sein.

Wettbewerbsfähigkeit erhalten
So will Sulzer seine Position im Servicegeschäft durch die Übernahme des Geschäftes von InterWeld Inc Ltd. stärken. Mit der Akquisition steigere die Division Chemtech ihre Wettbewerbsfähigkeit, betont das Unternehmen. Außerdem erweiterte Sulzer seine Präsenz in Marokko mit dem Kauf von Export International Pompe Service (EIPS) – einem Unternehmen für Wartungs- und Reparaturservice für Pumpen – in Casablanca. Zu dessen Schwerpunkten gehört auch die chemische Industrie.

Watson-Marlow Fluid Technology Group übernahm durch ihr Mutterunternehmen Spirax-Sarco Engineering plc die Fertigung und den Vertrieb de MasoSine® Sinuspumpen in Japan von der Primix Corporation. Der Kaufpreis beträgt umgerechnet knapp 4 Millionen Euro. Ziel ist es, unter anderem für industrielle Anwendungen das Service- und Support-Angebot weiter zu optimieren.

Oerlikon Vacuum besitzt einen neuen Vertriebspartner in den Philippinen, Australien und Neuseeland. Bereits wenige Jahre zuvor nahm das Unternehmen verstärkt GUS-Staaten in den Fokus, indem es eine strategische Partnerschaft mit dem Vakuumpumpen- und -systemlieferanten Vacuummash in Russland für die weitere Erschließung der CIS-Staaten einging. „Wir sind überzeugt, dass es richtig ist, unsere Wachstumsstrategie gerade in dieser Region auf eine breitere Basis zu stellen“, unterstrich Dr. Martin Füllenbach, CEO von Oerlikon Leybold Vacuum. Er betrachte das Abkommen als „hervorragende Chance für die Weiterentwicklung unserer Firmen.“

Spezialisierung und Effizienz
Die Unternehmen können ihre Entwicklung nicht nur durch eine Internationalisierung, sondern auch „durch eine Spezialisierung und Kundenorientierung vorantreiben“, heißt es in der Studie „Die deutsche chemische Industrie 2030“, die im Auftrag des VCI erstellt wurde. Empfohlen wird außerdem eine verbesserte Effizienz und Produktivität.
Gegenüber Deutschland, das im globalen Umsatzranking der Chemieindustrie den dritten Platz nach China und den USA belegt, holen Länder wie Indien und Korea als Forschungsstandorte rasch auf. Daher sei ein Ausbau bei Forschung und Entwicklung notwendig, empfiehlt der VCI. 

Einige wichtige Aspekte haben die Chemieunternehmen allerdings nicht in ihrer Hand. So schätzt laut VCI eine Mehrzahl von ihnen beispielsweise in Deutschland die Komplexität der Regulierung höher ein als in anderen Ländern: „Vor allem aufwendige Zulassungs- und Genehmigungsverfahren für Chemieprodukte und die damit verbundenen Kosten überfordern den Mittelstand.“ Auch erschwere die europäische Chemikalienverordnung REACH Innovationen. Die Bürokratie führe zu hohen Produktionskosten und Steuerbelastungen, was ganz Europa schwäche – die Chemieunternehmen und damit unter Umständen auch die Pumpenhersteller.

Branche hofft auf TTIP
Der VCI beklagt ebenso in seiner Studie die „staatlich verursachten Energiekosten im Rahmen des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG)“. Hier sei eine zügige Deckelung notwendig. Verlockend sind dagegen niedrige Energiepreise in den USA, die einen Anreiz für Investitionen darstellen.

Vor dem Hintergrund staatlicher Regulierungen und hoher Energiekosten sowie Steuerbelastungen würde der Verband ein Zustandekommen der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) begrüßen. Durch das Freihandelsabkommen würden Zölle entfallen, es ebne sich ein Weg zu besseren Regeln für öffentliche Ausschreibungen und zum Zugang zu Energie, zur Liberalisierung von Dienstleistungen, zum Schutz geistigen Eigentums und zum Verbot von Exportsteuern. Idealerweise sollten auch die Schwellenländer ihre Märkte öffnen. Der beste Weg hierfür sei, so der VCI, ein multilaterales Abkommen im Rahmen der WTO.

Von einem Abbau der Handelshemmnisse würde aber nicht nur die Chemieindustrie profitieren. Für die Pumpenhersteller als Zulieferer der Chemiebranche ergäben sich ebenfalls entsprechende Vorteile. Grundvoraussetzung für Erfolg bleiben aber spezialisierte Pumpen mit hoher Qualität. Wer sie bietet, darf sich trotz einiger Widrigkeiten über volle Auftragsbücher freuen.


Herstellverfahren und Komponentenauswahl sind permanent weiterzuentwickeln.
Quelle: Pressefoto BASF SE


Katalysatoren kommen bei den meisten chemischen Prozessen zum Einsatz. Innovationen in der chemischen Industrie werden hauptsächlich durch Katalysatoren-Forschung und -Entwicklung vorangetrieben. BASF setzt Katalysatoren in mehr als 80 % der eigenen Produktionsstätten ein.
Quelle: Pressefoto BASF SE



Innovationen in der chemischen Industrie werden hauptsächlich durch Katalysatoren-Forschung und -Entwicklung vorangetrieben. BASF setzt Katalysatoren in mehr als 80 % der eigenen Produktionsstätten ein.
Quelle: Pressefoto BASF SE

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